
Plakatkampagne
Plakatkampagne „Zirkus: Hier und Jetzt“ im Januar 2026
Das Projekt Circus Hub Berlin mit dem Teilprojekt „Act One – Kultur- und Arbeitsmarkt für Zirkus in Berlin (August 2025 – März 2026)“ wurde mit dem Ziel gegründet, Zirkusprofis in Berlin zu unterstützen und ihnen neue Möglichkeiten zu eröffnen. Indem wir die Kunstform sichtbarer machen und das öffentliche Bewusstsein dafür stärken, wollen wir die Entwicklung der Zirkusszene fördern und neue Zielgruppen erschließen.
Seit Januar 2026 läuft im Rahmen des Projekts eine Plakatkampagne. Von Praktikerinnen des zeitgenössischen Zirkus bis hin zu Varietéartistinnen, Burlesque Künstlerinnen, Pädagoginnen – die Fotokampagne „Zirkus: Hier und Jetzt“ repräsentiert die gesamte Bandbreite des Genres. Die großformatigen Fotoplakate werden an zirkusnahen Orten in Berlin platziert.
Ergänzend zum visuellen Eindruck wurden die Teilnehmenden in kurzen Interviews gefragt, ob sie konkrete Auftrittstermine oder zentrale Botschaften kommunizieren möchten. Die Fotos sind im Rahmen eines Open Calls am 06.10-08.10.2025 im Studio bei SENECA INTENSIV Bildungsprogramme für künstlerische Bewegung durch die Fotografin Lily Schlinker entstanden.
Interviews

Ida Cramer ist Luftartistin mit Fokus auf die Verbindung von Zirkus und Theater. Sie kommt ursprünglich aus den Niederlanden, lebt aber seit acht Jahren in Berlin. Sie arbeitet solo, im Duo und im Ensemble und unterrichtet als Zirkuspädagogin in unterschiedlichen Projekten in Berlin und Potsdam.
Wann und wo hast du deine nächsten Auftritte?
Quer durch Deutschland, leider am seltensten in Berlin! Wenn eine Spielstätte hier bereit ist, Aufleuchten Produktionen– meiner Kompanie – ein Zuhause für Zirkustheaterstücke zu geben, freue ich mich sehr.
Hast du eine Botschaft, die du gern mitteilen möchtest?
Zirkus ist mein Lieblingsmedium, um Geschichten über Menschsein zu erzählen, körperliche Grenzen zu testen und das Physische, das Zirkus wie kaum eine andere Kunstform zeigt, sichtbar zu machen. In der heutigen Gesellschaft ist das unverzichtbar. Wir sind stärker, als wir denken.
Was bedeutet die Berliner Zirkusszene für dich?
Als Niederländerin war es zunächst einschüchternd, in Berlin anzukommen. So viele großartige Künstlerinnen leben hier, Konkurrenz ist präsent. Doch die Community mit Trainingsräumen, Wissensaustausch, Open Stages und Feedback hat mich unterstützt. Heute bin ich dankbar für alle Begegnungen, die mich prägen. Meine Trapez-Partnerin Anna habe ich hier gefunden – gemeinsam sind wir unter anderem als Duo unterwegs.
Was ist es, was du an deinem Beruf als Zirkusartistin am meisten liebst, und was motiviert dich in der Branche zu arbeiten?
Ich liebe die Vielseitigkeit und Freiheit meines Berufs. Motivation finde ich im Publikum, das sowohl von körperlicher Leistung als auch von den Geschichten inspiriert wird.
Was sind die größten Herausforderungen, mit denen du in deinem Beruf konfrontiert bist, und welche Unterstützung brauchst du, um diese zu bewältigen?
Hohe Kosten – finanziell wie körperlich – und wenig Verständnis für angemessene Gagen sind große Herausforderungen. Altmodische Vorstellungen über Zirkus und Frauen auf der Bühne bestehen weiter. Sichtbarkeit für neuen Zirkus ist entscheidend, um Perspektiven zu erweitern.
Wie hat sich deine Perspektive auf die Zirkuskunst im Laufe deiner Karriere verändert, und was bedeutet dieser Beruf für dich persönlich?
Als ich mit 14 Jahren klar wusste: „Ich werde Artistin“, wurde mir gesagt: „Dafür brauchst du aber Talent.“ Vom Zweifeln bis zur Erkenntnis, dass Menschen zu berühren wichtiger ist als Perfektion, war es ein langer Weg. Leidenschaft, Durchhaltevermögen und Freude am Spiel machen den Unterschied – und prägen meine Arbeit heute.
Welche Veränderungen oder Verbesserungen wünschst du dir für die Zirkusbranche, um die Arbeitsbedingungen und die Sichtbarkeit von Künstlerinnen zu fördern?
Ich wünsche mir eine vollwertige Zirkussparte in der Kunstlandschaft: Bühnen mit Zirkussaisons, feste Engagements für Artistinnen, mehr Straßenkunst.
Wie stellst du dir die Zukunft des Zirkus vor, und welche Rolle möchtest du dabei spielen?
Mit Aufleuchten Produktionen und Duo Anna&Ida möchte ich forschen, verbinden, spartenübergreifend arbeiten und helfen, den „alten“ Blick auf Zirkus zu erneuern.

Triority Circus ist ein zeitgenössisches Circusensemble aus Berlin, bestehend aus Çiğdem Gerwert, Fryderyk Biehler und Paula Dieken. In ihrer Trioakrobatik erforschen sie neue Formen körperlicher Erzählweisen und verschieben klassische Strukturen der Partnerakrobatik.
Fryderyk Biehler
Wann und wo hast du deine nächsten Auftritte?
Am 15. November 2025 um 19 Uhr – Circus Schatzinsel im Rahmen von „Zeit für Zirkus“ – „shorts“ gemeinsam mit dem Kollektiv Zwischenraum.
Was ist es, was du an deinem Beruf als Zirkusartist*in am meisten liebst, und was motiviert dich in der Branche zu arbeiten?
Ich mag es, zu kreieren zu trainieren und auf der Bühne zu stehen. Selbstständig zu arbeiten gibt mir ein Gefühl der Freiheit.
Was sind die größten Herausforderungen, mit denen du in deinem Beruf konfrontiert bist, und welche Unterstützung brauchst du, um diese zu bewältigen?
Die größte Herausforderung ist es, finanziell über die Runden zu kommen. Damit einhergehend ist es immer wieder eine Herausforderung, weiterzumachen, obwohl das Geld manchmal nicht reicht.
Welche Veränderungen oder Verbesserungen wünschst du dir für die Zirkusbranche, um die Arbeitsbedingungen und die Sichtbarkeit von Künstler*innen zu fördern?
Ich würde mir wünschen, dass der zeitgenössische Zirkus als Kunstform mehr Anerkennung findet und es mehr Fördermittel für Kunst und Kultur gäbe.
Wie stellst du dir die Zukunft des Zirkus vor, und welche Rolle möchtest du dabeispielen?
Ich denke, die Stärke des zeitgenössischen Zirkus besteht nicht nur darin, zu unterhalten, sondern auch darin, gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen und durch seine besondere Darstellungsform die Menschen zu erreichen. Diesen Weg sollten wir weitergehen.
Çiğdem Gerwert
Wann und wo hast du deine nächsten Auftritte?
Am 01.11.2025 in Haarlem (Niederlande) mit LEF! von WirWar Producties.
Am 15.11.2025 zeigen wir ein Work-in-Progress unserer eigenen Produktion im Circus Schatzinsel Berlin im Rahmen von „Zeit für Zirkus“. Des Weiteren spielen wir an dem Tag Kartographie der Nähe mit dem Kollektiv Zwischenraum.
Hast du eine Botschaft, die du gern mitteilen möchtest?
Zirkus kann mehr, als viele denken. Er ist eine eigenständige Kunstform, die körperlich, kreativ und erzählerisch arbeitet. Zirkus kann zum Lachen bringen, zum Nachdenken anregen, berühren und gleichzeitig zeigen, wozu Menschen körperlich fähig sind.
Besonders faszinierend finde ich, wie Zirkustechniken genutzt werden können, um Inhalte und Emotionen zu vermitteln. Zirkus kann unterschiedliche Kunstsparten wie Theater, Musik, Comedy oder visuelle Künste verbinden und schafft dadurch ganz eigene Ausdrucksformen.
Ich wünsche mir, dass mehr Menschen diese Seite des Zirkus kennenlernen und ihn als ernstzunehmende, vielseitige Kunstform wahrnehmen.
Was ist es, was du an deinem Beruf als Zirkusartist*in am meisten liebst, und was motiviert dich in der Branche zu arbeiten?
Ich liebe Partnerakrobatik. Mich fasziniert die Technik, aber auch die Möglichkeit, mit ihr Bilder zu gestalten oder Geschichten zu erzählen. Die Verbindung von körperlicher und künstlerischer Arbeit gefällt mir sehr. Es ist toll auf der Bühne Menschen zu erreichen, sei es durch reine Unterhaltung oder indem sie etwas Neues sehen, entdecken oder fühlen.
Was sind die größten Herausforderungen, mit denen du in deinem Beruf konfrontiert bist, und welche Unterstützung brauchst du, um diese zu bewältigen?
Es fehlt an Struktur. Es gibt zu wenige Trainingsorte, zu wenig finanzielle Förderung – besonders für freie Künstler*innen und kleinere Produktionen. Kulturkürzungen machen das Ganze noch schwieriger. Die Bezahlung ist oft nicht fair und langfristige Planung kaum möglich. Es braucht verlässliche Förderprogramme, bessere Infrastruktur und mehr Anerkennung für die Arbeit, die wir leisten.
Welche Veränderungen oder Verbesserungen wünschst du dir für die Zirkusbranche?
Ich wünsche mir, dass Zirkus in der öffentlichen Wahrnehmung ernster genommen wird. Oft wird das Wort „Zirkus“ abwertend benutzt, zum Beispiel in politischen Debatten. Der zeitgenössische Zirkus ist vielen gar nicht bekannt und Zirkus wird oft mit alten Klischees verbunden.
Außerdem braucht es bessere Fördermöglichkeiten, verlässlichere Strukturen und faire Arbeitsbedingungen. Damit Zirkus als Kunstform wachsen und langfristig bestehen kann.
Paula Dieken
Wann und wo sind deine nächsten Auftritte?
Unser nächster öffentlicher Auftritt ist am 15.11.25 im Circus Schatzinsel. Im Rahmen von „Zeit für Zirkus“ werden unter dem Titel „Shorts“ 3 Kurzstücke gezeigt, unter anderem unsere Produktion „Downtime“.
Hast du eine Botschaft, die du gern mitteilen möchtest?
Ich würde gern sagen: Geht zum (zeitgenössischen) Zirkus! Traut euch, kleine Theater, Zirkusfestivals oder Straßenshows zu besuchen. In Berlin gibt’s so viele spannende Orte, an denen richtig gute Kunst passiert. Gerade diese kleinen Bühnen haben etwas Besonderes, weil dort die Nähe und die Leidenschaft spürbar ist. Sie sind ein wichtiger Teil unserer Kulturlandschaft und ein Besuch ist immer ein guter Weg die Künstlerinnen zu unterstützen.
Was ist es, was du an deinem Beruf als Zirkusartistin am meisten liebst, und was motiviert dich in der Branche zu arbeiten?
Ich liebe die Möglichkeit, die man durch die Arbeit als Zirkusartistin hat. Man kann auf der Bühne lustige Sachen machen oder sehr ernste Themen auf eine neue Art und Weise beleuchten. Ganze Geschichten ohne Worte nur mit Körpern übermitteln. Außerdem mache ich einfach gern Partnerakrobatik, und meine Arbeit als Artistin erlaubt es mir, dieser Leidenschaft viel Zeit zu widmen.
Was sind die größten Herausforderungen, mit denen du in deinem Beruf konfrontiert bist, und welche Unterstützung brauchst du, um diese zu bewältigen?
Die größte Herausforderung ist das fehlende Geld. Ein eigenes Stück zu entwickeln, kostet Geld, vor allem wenn man alle Beteiligten ansatzweise fair bezahlen will, aber Förderangebote sind rar und werden auch weiter abgebaut. In der Zeit der Kreation eines neuen Stückes arbeiten wir also nicht nur unbezahlt, sondern zahlen auch noch privat darauf, in der Hoffnung, dass die Shows im Anschluss gut laufen, und man das Geld wieder hereinkriegt. Das zerrt an den Nerven.
Wie hat sich deine Perspektive auf die Zirkuskunst im Laufe deiner Karriere verändert, und was bedeutet dieser Beruf für dich persönlich?
Mein Blick auf den zeitgenössischen Zirkus wurde mit der Zeit entromantisiert. Die Vorstellung seine tage mit Training, Showvorbereitungen und Auftritten zu verbringen klingt toll. Was ich aber am Anfang unterschätzt habe, ist der administrative Aufwand. Stunden vor dem Rechner, um Förderanträge zu suchen und zu schreiben, eine Website zu erstellen, die Steuern zu machen oder Bewerbungen herauszuschicken. Es ist ein toller Beruf, der es mir ermöglicht, an den meisten tagen meiner Leidenschaft nachzugehen, umgeben von Menschen, die diese teilen, aber es ist eben trotzdem Arbeit, und die ist auch mal anstrengend und macht keinen Spaß.
Wie stellst du dir die Zukunft des Zirkus vor, und welche Rolle möchtest du dabei spielen?
Ich würde mir wünschen, dass zeitgenössischer Zirkus in der Zukunft eine Anerkennung und Bekanntheit in der Gesellschaft erreicht, die dem Status anderer Bühnenkünste entspricht. Die meisten Menschen können sich etwas vorstellen, wenn man sagt, man geht ins Theater, die Oper oder ins Ballett. Wenn man sagt, man geht in den Zirkus, ist immer noch die erste Frage, ob es dort Tiere gibt. Meine Rolle in dieser Entwicklung weiß ich noch nicht so genau. Jetzt erstmal würde ich sagen liegt sie darin, ein möglichst großes Publikum für unsere Auftritte zu generieren.

Jessica Rose Walters and Enriko Davidovs:
The Rose Davidovs Project is our duo. We collaborate for 8+ years. Started on duo silks, the neck spin became our signature move. We were brought together by Keeva/Air Candy of Flair studios. We worked for Incandescence (UK), on hoop, silks and then started our own cabaret in 2018.
Jessie did circus for 20+ years, trained in swinging trapeze (Which she never did again after circus school) and was on the semifinals of Britains got talent with hula-hoop.
Enriko started circus as an adult in London and actually took aerial rope class with Jessie, then he was privately taught by tutors. He never thought of performing but was encouraged by friends.
When/where are your next gigs?
The place to be new circus cabaret with live music in Clärchens Ballhaus, 8.11.25 Enriko 18.10.25 Frack und Spitzenhöschen, Säälchen. 25.10.25 Best of Vuesch. Rock the Circus Tour.
What does the Berlin circus scene mean to you?
The Berlin circus scene has a certain type of freedom. You can develop weird and wonderful stuff and share it with people. Vuesch e.V., the training and creation space, allows artists to train and create without financial support. Berlin is a space to play, not hustle, compared to London (although that is changing).
What is it that you love most about your job as a circus performer, and what motivates you to work in the industry?
What motivates us to work in the circus industry? Probably, questionable decision-making. Jessie, after reading a childhood book, always dreamed of making a living by smiling in tights. Enriko’s grandmother did iron jaw in the circus back in the day so he felt inspired by that. We just never stopped. It’s an obsession; an addiction, a love, something fun. You can walk into the training space feeling like crap and walk out feeling great.
What are the biggest challenges you face in your profession and what support do you need to overcome them?
Affordable training spaces are disappearing. Obviously artists need money, and the funding cuts are making the situation worse. It’s difficult to break even on self-made shows due to the high rent of venues. If fees are low and childcare is expensive, for parents, it’s not even worth it financially to perform. i.e., If a gig pays EUR 120 and the babysitter costs 100. Big theaters don’t book local artists, and they require more funding and support to be able to do this. They fly in artists from Australia and the local artists fly somewhere else.
How has your perspective on circus arts changed over the course of your career, and what does this profession mean to you personally?
J: When graduating from school, I had an obsession with getting those high-paid gigs, getting the money. When you get older, you realize that you don’t want to play to the whims of the clients — you want to make art for yourself. Some people were like that already in school, of course, but I wanted to sell out — I wanted to get those big ticket gigs. But my priorities changed over time.
Both: Contemporary circus has become more inclusive and wide-ranging, and people have become more aware of issues within the industry, for example gender inequality. Although in 2025 Cirque du Demain is still dominated by white cis men. But at least there is an awareness of why that’s problematic.
J: There is also more acceptance of “older” / middle-aged women (i.e., over 40). When I was young, it was almost unheard of for a woman in her 30s or even 40s to get booked for a show, especially more commercial things.
What changes or improvements would you like to see in the circus industry to improve the working conditions and visibility of artists?
J: More money. It would be great if the goal wasn’t only to break even on creative work, but to have a small profit. More options for childcare — especially for including it in funding grants!
E: We need more recognition of the value of art, not only from the state, but also from society. We spend years perfecting our craft, but people don’t respect us like bankers or lawyers. Even though artists work is important, especially these days: we distress, we entertain, we help people not to be depressed by the world out there with all of its problems. People should be willing to pay money for tickets for the value they get. Also, the stereotype of the starving artist has to go. Artists don’t have to be poor.
J: Corporations are benefitting from the creative image of Berlin, but they are pushing out self organized spaces like Vuesch e.v. The artists made Berlin cool, but then these big companies move in and don’t give anything back to artists and neighborhoods, they just raise the rents. It would be good if these big commercial buildings, like the amazon building, had to agree to provide some creative spaces as part of each big commercial building project.
How do you envision the future of circus and what role would you like to play in it?
J: In the future, I would like to support new artists, to train, create and earn a living wage.
E: I want to see weirdness in the mainstream. Freaks and weirdos and big stages. Florentina Holzinger sells out big stages like Volksbühne so she proves that its possible, people are interested. Keep Berlin weird, keep circus weird.
And I’m looking forward to being a weird old person onstage.

Alexandre Delquié (Bow)
Bow jongliert seit er elf Jahre alt ist, er konzentriert sich auf seine persönliche Recherche mit dem Objekt Poi. Er performt und teilt seine Leidenschaft für Poi in Workshops.
Wann und wo hast du deine nächsten Auftritte?
Im Moment konzentriere ich mich vor allem auf das Unterrichten, da ich es liebe, meine innovativen Tricks und Konzepte mit anderen zu teilen. Um diese für so viele Menschen wie möglich zugänglich zu machen, unterrichte ich vor allem online und filme Tutorials, die dann auf Patreon erhältlich sind. Die letzten Jahre bin ich auf der ganzen Welt aufgetreten und habe dazu noch Workshops unterrichtet, von Deutschland über Australien bis bin zu Japan war alles dabei.
Hast du eine Botschaft, die du gern mitteilen möchtest?
Gib nicht auf, glaub an dich und bleibe dran. Am allerwichtigsten ist, dass wir das, was wir können, miteinander teilen, um so als Community wachsen zu können.
Was bedeutet die Berliner Zirkusszene für dich?
Die Berliner Zirkusszene ist eine vielfältige Gemeinschaft, in der ich durch gegenseitige Unterstützung und mit gleichgesinnten Künstler*innen meine Ziele erreichen kann.
Was ist es, was du an deinem Beruf als Zirkusartist*in am meisten liebst, und was motiviert dich in der Branche zu arbeiten?
Jonglage bedeutet alles für mich, in einer Intensität, die ich mir niemals hätte vorstellen können.
Was sind die größten Herausforderungen, mit denen du in deinem Beruf konfrontiert bist, und welche Unterstützung brauchst du, um diese zu bewältigen?
Steigende Kosten und zu wenig Sichtbarkeit der Kunstform. Zum Beispiel Kampagnen wie diese, in der mehr Menschen vielfältige Formen von Zirkus kennenlernen.
Wie hat sich deine Perspektive auf die Zirkuskunst im Laufe deiner Karriere verändert, und was bedeutet dieser Beruf für dich persönlich?
Ab dem Tag, an dem ich zum ersten Mal Zirkus machen durfte, war mir klar, dass ich dies für den Rest meines Lebens machen möchte. Ich war elf Jahre alt und lebte in Frankreich, wo man schon in der Grundschule Zirkusshows sieht.
Welche Veränderungen oder Verbesserungen wünschst du dir für die Zirkusbranche, um die Arbeitsbedingungen und die Sichtbarkeit von Künstler*innen zu fördern?
Ich würde mich freuen, wenn es mehr gesellschaftliches Bewusstsein und Akzeptanz für zeitgenössischen Zirkus gäbe.

Enjo Flint ist Sideshow Performer seit 6+ Jahren und Organisator des Hullabaloo Cabaret.
Wann und wo sind deine nächsten Auftritte?
10.10.25 Villa Kuriosum, 25.10.25 In der Schweiz, 31.10.25 Ritter Butzke, 1.11.25 SO36, 7.12.25 Rom, 19.12.25 Wien
Was bedeutet die Berliner Zirkusszene für dich?
Die Szene ist sehr divers, von anfänglichen bis hin zu hochprofessionellen Künstler*innen. Performances sind klassisch, experimentell, manchmal sogar verstörend. Es gibt ein gutes Miteinander und gute Kommunikation, teilweise geht man fast familiär miteinander um. Menschen konkurrieren nicht, stattdessen gibt es viel Support von anderen.
Was ist es, was du an deinem Beruf als Zirkusartist*in am meisten liebst, und was motiviert dich, in der Branche zu arbeiten?
Keiner würde diesen Beruf machen, wenn er den Beruf nicht liebt. Nicht selten arbeitet man 60 Stunden die Woche, wenn es fair bezahlt wäre, wären wir alle reich. Aber es macht Spaß, die Arbeit ist kreativ. Beim Auftreten siehst du ein strahlendes (oder schockiertes) Publikum, das ihren Alltag kurz vergessen hat. Im Job kann ich entertainen, den Menschen zum Lachen bringen und animieren. Und man arbeitet häufig mit coolen Teams zusammen, wenn man ein Arbeitsumfeld hat, was man selber generieren darf.
Was sind die größten Herausforderungen, mit denen du in deinem Beruf konfrontiert bist, und welche Unterstützung brauchst du, um diese zu bewältigen?
Mein Genre, die Freakshow, ist schwer unterzubringen — außer an Halloween. Die Sideshow ist noch nicht im Mainstream angekommen – wir sind zu freaky für’s normale Varieté, obwohl es wünschenswert wäre, größere Bühnen für mehr Gage zu bespielen. Ich erlebe Diskriminierung aufgrund meines Aussehens. Als Veranstalter ist es die größte Herausforderung, eine bezahlbare Location zu finden. Auch €15 Eintritt sind zu wenig, um Performer und den Ort zu bezahlen. Dafür braucht es mehr staatliche Unterstützung.
Der größte Wunsch ist ein Gelände für 2 Zirkuszelte. Es soll ein Gesamterlebnis sein – Künstler können 24/7 proben, es gibt Essen und Trinken, Beisammensein, Shows, ein Sozialticket für Menschen, die nicht so viel Geld haben. Nach dem Modell des Cirque Electrique in Paris. Und es soll zugänglich sein – auch für ältere Menschen und für die, die sich nicht so an alternative Orte trauen. Sponsoren und Equipment sind vorhanden – es fehlt nur der Ort! Also falls jemand einen Tipp hat — her damit.
Wie hat sich deine Perspektive auf die Zirkuskunst im Laufe deiner Karriere verändert, und was bedeutet dieser Beruf für dich persönlich?
Die Professionalität – man wird mit der Zeit und der Übung natürlich besser. Früher habe ich spontane Gigs abgelehnt, weil ich mich ohne lange Vorbereitung nicht auf die Bühne getraut habe. Mit der Zeit kommt eine Leichtigkeit, ich bin entspannter in Stressmomenten oder bei Überraschungen, mein Requisitenkoffer ist gepackt und ich bin immer ready to go.
Welche Veränderungen oder Verbesserungen wünschst du dir für die Zirkusbranche, um die Arbeitsbedingungen und die Sichtbarkeit von Künstlerinnen zu fördern?
Es braucht mehr Kulturunterstützung von der Stadt, von Berlin, vom Staat. Nicht nur für große Varietés, auch für Performer, die selbst Sachen organisieren. Wir brauchen sowas wie die Intermittence in Frankreich. Bei Krankheit oder Verletzung gibt es momentan keinen Rückhalt, keine Unterstützung für Künstlerinnen. Obwohl die Kulturszene von ihren Performern lebt. Wenn man für Kinder oder Familie sorgen muss, ist alles natürlich noch schwieriger.
Wie stellst du dir die Zukunft des Zirkus vor, und welche Rolle möchtest du dabei spielen?
Die Zukunft der Kultur in Berlin sehe ich düster. Als gebürtiger Berliner sehe ich, wie die Stadt immer mehr Kultur abbaut und privatisiert, es wird abgesägt. Die Menschen wollen Kultur konsumieren, aber sie wollen keine Kulturorte in ihrer Nähe haben. Das passt nicht zusammen.

Johanna Gorzellik ist eine deutsche Zirkuskünstlerin, spezialisiert auf Handstand und Luftartistik an den Strapaten. Bereits in ihrer Kindheit begann sie in einem Jugendzirkus in Deutschland mit dem Zirkus.
Wann und wo sind deine nächsten Auftritte?
17.10. – 9.11.2025: Carrousel, Cirque Bouffon, Saarbrücken 21.11. – 11.01.2026: Chez Momo, Cirque Bouffon, Altenberg 18.02. – 22.02.2026: Varieté Extra, Darmstadt
Was bedeutet die Berliner Zirkusszene für dich?
Die Berliner Zirkusszene ist sehr wichtig für mich und war mit ein Grund, warum ich nach meinem Zirkusstudium in Stockholm nach Berlin gezogen bin. Um als Zirkusartistin arbeiten zu können, sind Trainingsorte, die Möglichkeit, Zirkusperformances anzuschauen und mich mit anderen Zirkusschaffenden zu vernetzen, sehr wichtig. Die Berliner Zirkusszene bietet mir diese Möglichkeiten, wofür ich sehr dankbar bin.
Was ist es, was du an deinem Beruf als Zirkusartist*in am meisten liebst, und was motiviert dich, in der Branche zu arbeiten?
Ich mag es sehr gern, kreativ mit meinem Körper zu arbeiten und meine eigene Bewegungssprache zu entwickeln. Generell bereitet mir der kreative Prozess beim Entstehen neuer Arbeiten auch gemeinsam mit anderen sehr viel Freude. Mich motiviert es, die Werke von anderen Zirkusschaffenden zu sehen, die mich inspirieren und mich mit anderen Zirkusschaffenden darüber auszutauschen. Außerdem motiviert mich die Möglichkeit, das Feld aktiv mitgestalten zu können und einen eigenen künstlerischen Ausdruck zu entwickeln, gerade weil zeitgenössischer Zirkus in Deutschland noch so eine junge Kunstform ist.
Was sind die größten Herausforderungen, mit denen du in deinem Beruf konfrontiert bist, und welche Unterstützung brauchst du, um diese zu bewältigen?
Das ständige Unterwegssein: Aktuell arbeite ich fast ausschließlich außerhalb von Berlin. Ich würde mir aber sehr wünschen, für die Arbeit nicht ständig unterwegs sein zu müssen, sondern auch innerhalb von Berlin arbeiten zu können.
Das hohe Pensum unbezahlter Arbeitsschritte, die aber für meine Arbeit als Zirkusartistin unabdingbar sind: Training, Recherche, Proben, Vorbereitung auf Projekte, administrative Arbeit. Ich würde mir deshalb finanzielle Unterstützung für all die unbezahlte Arbeit außerhalb der konkreten Arbeit auf der Bühne wünschen.
Die finanzielle Unsicherheit: Zeiten ohne Arbeit, in denen unklar ist, wann man wieder einen Job bekommen kann.
Zeitgenössischer Zirkus ist in Deutschland noch sehr klein und es gibt begrenzte Arbeitsmöglichkeiten. Wenn ich in dieser Form des Zirkus arbeiten möchte, muss ich entweder meine eigenen Arbeiten kreieren oder im Ausland arbeiten. Ich würde mir deshalb mehr Arbeitsstellen für zeitgenössische Zirkusartist*innen innerhalb Deutschlands wünschen.
Die administrative Arbeit: Ein großer Teil meiner Arbeit als selbständige Artistin ist auch administrativ. Ich bin aber noch dabei zu lernen, wie ich das am besten mache und was ich eigentlich alles machen muss. Dazu finde ich über viele Beratungsangebote und Seminare, z.B. von Kreativ Kultur Berlin oder von dem Performing Arts Programm Berlin bereits ganz gute Unterstützung.
Wie hat sich deine Perspektive auf die Zirkuskunst im Laufe deiner Karriere verändert, und was bedeutet dieser Beruf für dich persönlich?
Verändert hat sich vor allem mein Blick darauf, was welche historischen erwachsenen Werte (z.B. menschliche Dominanz, Anthropozentrismus, Virtuosität, Inszenierung von Risiko), wir auch im zeitgenössischen Zirkus oft noch auf der Bühne darstellen und was ich eigentlich im Zirkus auf der Bühne mit dem Publikum teilen möchte. Diese veränderte Sichtweise wurde stark geprägt durch Texte unter anderen von Franziska Trapp, Sebastian Kann, Camilla Damkjaer, Bauke Lievens und Vincent Focquet. Mittlerweile ist mir sehr wichtig, wegzugehen von der reinen Präsentation virtuoser Skills und stattdessen meine Zirkustechnik so einzusetzen und zu transformieren, dass sie dem Ausdruck des entsprechenden Stückes dienen. Der Beruf bedeutet für mich persönlich die Möglichkeit, kreativ mit meinem Körper arbeiten zu können. Die Möglichkeiten in verschiedenen Projekten ständig neues dazu lernen zu können und mich mit vielen spannenden Menschen vernetzen zu können.
Welche Veränderungen oder Verbesserungen wünschst du dir für die Zirkusbranche, um die Arbeitsbedingungen und die Sichtbarkeit von Künstlerinnen zu fördern?
Mehr Fördermittel für zeitgenössischen Zirkus, auch für Recherchen außerhalb konkreterer Produktionsvorhaben. Das mehr Spielstätten zeitgenössischen Zirkus programmieren und so die Sichtbarkeit von zeitgenössischem Zirkus steigt. Mehr Trainingsmöglichkeiten und Residenzorte, die spezifisch auf die Bedürfnisse von Zirkusschaffenden ausgelegt sind. Mehr Möglichkeiten der Weiterentwicklung für professionelle Zirkuskünstlerinnen sowohl auf praktischer als auch auf theoretischer Ebene.
Wie stellst du dir die Zukunft des Zirkus vor, und welche Rolle möchtest du dabei spielen?
Ich hoffe, dass zeitgenössischer Zirkus in der Zukunft einen festen Platz in der deutschen Kulturlandschaft hat, gleichberechtigt mit anderen Formen der darstellenden Kunst.
Ich hoffe, dass wir bezüglich dessen, was wir auf der Bühne darstellen, noch weiter weggehen von der Darstellung von Virtuosität, menschlicher Dominanz, Anthropozentrismus, Höchstleistung. Stattdessen hoffe ich, dass der Fokus mehr auf individuellem Ausdruck, Komplexität und der kreativen Arbeit mit der eigenen Zirkustechnik liegt. Ich hoffe, dass wir noch mehr nicht-hierarchische Beziehungen zwischen verschiedenen Performerinnen und zwischen Performerinnen und den Objekten auf der Bühne sehen. Außerdem hoffe ich, dass das Bewusstsein für diskriminierende Strukturen im Zirkussektor weiter wächst und diese Strukturen abgebaut werden, sodass sowohl auf als auch hinter der Bühne mehr Diversität möglich ist. Ich möchte dazu vor allem durch meine eigene Arbeit auf der Bühne beitragen und so zeitgenössischen Zirkus für mehr Publikum in Deutschland sichtbar zu machen. Ich arbeite sehr viel mit Langsamkeit, kleinen Bewegungen, einem aktiven Fokus auf der Verbindung zwischen meinem Körper und dem Objekt, mit dem ich arbeite. So teile ich mit dem Publikum, dass Zirkus nicht immer groß, schnell und beeindruckend sein muss.

Cynthia Johnson ist eine deutsch-amerikanische (PoC) Vertikalseiltrainerin und Performerin. Vor 10 Jahren ist sie mit dem Ziel Akrobatin zu werden nach Berlin gezogen, obwohl ihr in dem Kinder- und Jugendzirkus in ihrer Heimat gesagt wurde, dass sie damals schon zu alt und auch zu schwach für Zirkus sei (sie war damals 18 Jahre alt).
Wann und wo hast du deine nächsten Auftritte?
Das lässt sich beides noch nicht so richtig beantworten. Ich plane mit meinem ersten Solo Rope Act nächstes Jahr im Frühjahr die ersten Bühnen in Berlin zu bespielen. Das wird vermutlich Open Stage sein, work in progress showing.
Hast du eine Botschaft, die du gern mitteilen möchtest?
Meine ganz persönliche Botschaft ist, dass man nie zu schwach und nie zu alt ist, um mit dem Zirkus zu starten. Egal was einem eventuell von der Gesellschaft, von seinem Umfeld oder von sonst jemandem vermittelt wird. Es ist nie zu spät! Man ist nie zu alt, nie zu schwach!
Was bedeutet die Berliner Zirkusszene für dich?
Mittlerweile ist die Berliner Zirkusszene als zugezogene Person so etwas wie eine zweite Familie. Ich glaube, wenn man das mit der Schulzeit vergleicht, dann hatte man da eine Clique, da stand ich immer zwischen den Stühlen. In Berlin war es durch die Zirkusszene tatsächlich schon eher wie nach Hause kommen, weil unsere Szene so divers ist und auch ziemlich groß.
Was ist es, was du an deinem Beruf als Zirkusartist*in am meisten liebst, und was motiviert dich in der Branche zu arbeiten?
Am meisten liebe ich, dass ich mich für den Beruf in keinster Weise verstellen muss. Ich kann mit jeglicher Laune in mein Training und in meine Performances gehen, man ist wirklich beinahe dazu gezwungen authentisch zu sein. Mich motiviert meine Community und der künstlerische Anspruch, sich immer irgendwie zu verbessern und zu verändern und auch andere zu inspirieren, das ist einfach etwas, dass einen antreiben kann.
Was sind die größten Herausforderungen, mit denen du in deinem Beruf konfrontiert bist, und welche Unterstützung brauchst du, um diese zu bewältigen?
Gute Frage, wichtige Frage! Ich glaube einer der größten Herausforderungen, die man tatsächlich oft in der Kunst findet, ist das Impostor-Syndrom. Dass man das Gefühl hat, man ist noch nicht gut genug für etwas, oder noch nicht authentisch genug und für so etwas brauchen wir eine starke Community. Für so etwas brauchen wir Orte, an denen wir unsere Kunst zeigen können, damit das Zeigen unserer Kunst normalisiert wird. Es soll keine so große Hürde darstellen, es soll normal sein, dass wir als Zirkusakrobat*innen unsere Kunst immer wieder zeigen.
Wie hat sich deine Perspektive auf die Zirkuskunst im Laufe deiner Karriere verändert, und was bedeutet dieser Beruf für dich persönlich?
Was sich vor allem verändert hat, ist, dass ich früher dachte, Zirkus, da wird man reingeboren, ansonsten eben nicht. Man kann Zirkus lernen, man kann auch in hohem Alter noch ein ziemlich gutes Level erreichen. Für mich persönlich hat sich die Art und Weise, wie ich trainiere und wie ich mit meinem Körper umgehe, verändert. Als Teenager hat man noch nicht den gleichen Umgang, wie mit Mitte Ende dreißig und das lernt man und das lässt sich integrieren. Es ist kein Ausschlusskriterium, dass man älter wird.
Welche Veränderungen oder Verbesserungen wünschst du dir für die Zirkusbranche, um die Arbeitsbedingungen und die Sichtbarkeit von Künstlerinnen zu fördern?
Ich glaube, dass bei Performancekunst der mentale Aspekt eine große Rolle spielt. Ich glaube, dass es jede/n Künstlerin beschäftigt, wenn sie Down-Phasen haben. Dass man als Künstlerin gebucht wird, wie es gerade passt. Keine Resonanz bekommt, die man für seine Arbeit verdient. Dieser mentale, psychische Aspekt kann einen herunterziehen. Es ist daher wichtig als Community füreinander da zu sein und mehr Unterstützung zu bekommen. Wichtig sind mehr Förderungen für die Kunst, die uns immer wieder gestrichen werden. Das erhöht den Druck, das Konkurrenzgefühl, welches man ab und zu gegenüber anderen Künstlerinnen verspürt.
Wie stellst du dir die Zukunft des Zirkus vor, und welche Rolle möchtest du dabei spielen?
Die Zukunft vom Zirkus stelle ich mir persönlich am liebsten ohne Tiere vor. Das ist wichtig, es gibt so viele schöne Alternativen dazu. Die Technik, die schon immer eine große Rolle im Zirkus gespielt hat, wird immer besser. Das bedeutet, wir würden hier auch Leid minimieren. Ich stelle mir Zirkus inklusiver vor. In Berlin haben wir ja z.B. den Zirkus Sonnenstich. Ich wünsche mir mehr Berührungspunkte mit inklusivem Zirkus. Zirkus soll nicht mehr nur mit Clown und Manege in Verbindung gebracht werden, sondern auch mit Theatern und Schauspielhäusern. Meine persönliche Rolle ist hoffentlich, dass ich, egal ob jung oder alt, immer wieder dafür sorgen kann, dass Leute sich trauen auf mich zuzukommen, dass sich Leute dafür interessieren in die Zirkuswelt hereingeholt zu werden. Und ich ihnen mit allem, was ich bin, zur Verfügung stehen kann und bei ihnen für mehr Selbstvertrauen sorge.

Carla Mannias – Ka Whoops – ist Hula-Hop- und Flow-Künstlerin mit Sitz in Berlin. Sie liebt es aufzutreten und ihre Leidenschaft durch Bühnenauftritte und Workshops für alle Altersgruppen – von Kindern bis zu Senior*innen– zu teilen.
Wann und wo sind deine nächsten Auftritte?
Meine Auftritte variieren sehr. An den nächsten zwei Wochenenden trete ich bei Dinner Shows auf, danach bin ich bei privaten Veranstaltungen gebucht und anschließend bei einem Kinder-Event.
Hast du eine Botschaft, die du gern mitteilen möchtest?
Tu, was deine Seele zum Leuchten bringt. Glaube an deinen Traum und gib nicht auf.
Was bedeutet die Berliner Zirkusszene für dich?
Die Berliner Zirkusszene bedeutet mir sehr viel – sie ist bunt, alternativ, lebendig, kreativ und voller Vielfalt. Sie inspiriert und verbindet Menschen.
Was liebst du an deinem Beruf als Zirkusartist*in am meisten, und was motiviert dich, in der Branche zu arbeiten?
Ich liebe es, kreativ sein zu dürfen. Es macht mich glücklich, Menschen zu inspirieren, sie zum Lächeln zu bringen, gute Stimmung zu verbreiten und positives Feedback zu erhalten. Diese Verbindung mit dem Publikum gibt mir große Zufriedenheit und Motivation.
Was sind die größten Herausforderungen in deinem Beruf, und welche Unterstützung brauchst du, um diese zu bewältigen?
Die größten Herausforderungen sind oft die Bürokratie, das Steuersystem und die ganze administrative Arbeit. Unterstützung bei organisatorischen und finanziellen Strukturen wäre sehr hilfreich, damit wir Künstler*innen uns stärker auf die Kunst konzentrieren können.
Wie hat sich deine Perspektive auf die Zirkuskunst im Laufe deiner Karriere verändert, und was bedeutet dieser Beruf für dich persönlich?
Besonders dieses Jahr habe ich gemerkt, dass es leider weniger Förderungen und Auftrittsmöglichkeiten gab – das finde ich schade. Trotzdem bedeutet mir der Beruf als Zirkuskünstler*in immer noch sehr viel, und ich hoffe, dass ich weiterhin aktiv bleiben kann.
Welche Veränderungen oder Verbesserungen wünschst du dir für die Zirkusbranche, um die Arbeitsbedingungen und die Sichtbarkeit von Künstlerinnen zu fördern?
Ich wünsche mir mehr Schutz und Fairness – insbesondere bei Gagen und Gesundheit. Bessere Arbeitsbedingungen und mehr Sichtbarkeit für Künstlerinnen wären wichtig für eine nachhaltige Zukunft der Branche.
Wie stellst du dir die Zukunft des Zirkus vor, und welche Rolle möchtest du dabei spielen?
Ich glaube, dass der Zirkus in einer zunehmend von KI und Technologie geprägten Zukunft moderner und interdisziplinärer wird. Gerade dann braucht es Kunst, die echte Emotionen weckt und Menschen miteinander verbindet – und genau das kann der Zirkus.Ich möchte diese Entwicklung aktiv mitgestalten und dabei eine wichtige Rolle spielen.

Fidel Rott ist Zirkusartist mit Spezialisierung auf Objektmanipulation. Er genießt es, Objekte zu balancieren und Menschen zum Lachen zu bringen.
Wann und wo sind deine nächsten Auftritte?
Meine kommenden Auftritte sind vor allem in den Niederlanden und Belgien. Gegen Ende des Jahres werde ich außerdem in Wien und Salzburg auftreten.
11.10.25 Vitrine Perplx (Belgium Premiere)
14.10.25 Bergen op Zoom (NL)
23.10.25 SPOT Groningen (NL)
31.10.25 Cool Kunst & Cultuur (NL)
07-08.11.25 On the Edge Austrian Premiere
14.12.25 CirkLabo 30CC Leuven (BE)
18-21.12.25 Winterfest Salzburg (Austria)
Berlin ist für mich aktuell eher ein Zuhause wo ich auch zur Ruhe komme.
Hast du eine Botschaft, die du gern mitteilen möchtest?
Dass Zeitgenössischer Zirkus weit mehr ist als Artistik oder Spektakel. Es geht um Geschichten, um Körper, um Begegnungen. Für mich ist Zirkus ein Raum, in dem Menschen gemeinsam staunen, lachen und fühlen können – und für einen Moment in eine andere Wirklichkeit eintauchen.
Was bedeutet die Berliner Zirkusszene für dich?
Ich bin noch relativ frisch in Berlin und dabei, meinen Platz in der Szene zu finden. Gerade deswegen ist Berlin für mich spannend: Es gibt viele Räume und Künstler*innen, die auf experimentelle Weise arbeiten. Ich sehe die Stadt als Labor – ein Ort, an dem sich Zirkus neu erfinden kann.
Was ist es, was du an deinem Beruf als Zirkusartist*in am meisten liebst, und was motiviert dich in der Branche zu arbeiten?
Das direkte Erleben mit dem Publikum. In dem Moment, in dem ich auftrete, entsteht ein gemeinsamer Raum. Ich liebe es, Menschen aus ihrem Alltag herauszuholen und sie spüren zu lassen, dass Fantasie, Körper und Spiel etwas verändern können. Das ist für mich die stärkste Motivation.
Was sind die größten Herausforderungen, mit denen du in deinem Beruf konfrontiert bist, und welche Unterstützung brauchst du, um diese zu bewältigen?
Die größte Herausforderung ist die Unsicherheit: unregelmäßige Aufträge, viel Reisen, wenig Stabilität im Alltag. Das ist einerseits inspirierend, andererseits auch belastend. Was helfen würde, sind stärkere Netzwerke, bessere finanzielle Strukturen für freie Künstler*innen und mehr Sichtbarkeit für zeitgenössischen Zirkus im Kulturbereich.
Wie hat sich deine Perspektive auf die Zirkuskunst im Laufe deiner Karriere verändert, und was bedeutet dieser Beruf für dich persönlich?
Am Anfang war für mich der Fokus stark auf Technik und Perfektion. Mittlerweile sehe ich Zirkus als künstlerisches Medium, das genauso emotional, politisch und poetisch sein kann wie Theater oder Tanz. Persönlich ist der Beruf für mich ein Weg, mein eigenes Leben immer wieder neu zu hinterfragen und mit anderen Menschen in Resonanz zu treten.
Welche Veränderungen oder Verbesserungen wünschst du dir für die Zirkusbranche, um die Arbeitsbedingungen und die Sichtbarkeit von Künstler*innen zu fördern?
Mehr öffentliche Anerkennung und Förderung. Zirkus sollte als eigenständige Kunstform sichtbar werden – nicht nur als Unterhaltung im traditionellen Sinn. Dafür braucht es Räume zum Proben und Aufführen, faire Gagen, bessere Förderprogramme und eine stärkere Verankerung in der Kulturlandschaft. Kurz mehr Sichtbarkeit.
Wie stellst du dir die Zukunft des Zirkus vor, und welche Rolle möchtest du dabei spielen?
Ich stelle mir einen Zirkus vor, der selbstverständlich als Teil der darstellenden Kunst verstanden wird. Ein Zirkus, in dem Artistik, Theater und Tanz ineinanderfließen und voneinander lernen. Meine Rolle sehe ich darin, diese Grenzen zu verschieben – indem ich experimentiere, Geschichten erzähle und Räume öffne, in denen Menschen etwas Neues erleben können.

Catalina Tello is aerialist and aerial silks specialist, with her background in dance, she now dances in the air.
When/where are your next gigs?
1.11.25 Noche des lxs Muertxs in FEZ, 17.11.25 Ballhaus Prinzenallee, Feminist Circus Evening
Do you have a message you would like to share?
When I create, I am not trying to reach some European ideals of art.
I want to represent the continent of Sudamerica and my indigenous heritage. I am from Abya Yala – Abya Yala is the name given by the Guna people (originally from Colombian and Panama territory) to the continent later known as America. We have our own colors, our way of moving and expressing. This I want to share with people.
What does the Berlin circus scene mean to you?
It’s a very open community, compared to the dance community. I feel welcome, I like being part of something and integrated. There is a lot of freedom to collaborate with other disciplines, like visual art, dance, theater, etc.
What is it that you love most about your job as a circus performer, and what motivates you to work in the industry?
It’s a way to live. I cannot separate how I work and how I live. its a discipline – the way I live life, eat, train, my daily life. Everything. And everyday working with movement, dance, creativity. Being a circus artist lets me be the best version of myself.
What are the biggest challenges you face in your profession and what support do you need to overcome them?
One difficult thing is to keep training when you have no upcoming shows in the future. We have to stay in training all the time, and find a motivation, even without a clear objective. Another challenge is the way of communicating in Berlin and in Germany compared to South American culture, speaking other languages but also connecting with other cultural things. Especially at the beginning, communicating in English or German instead of my mother tongue (Spanish) felt limiting.
How has your perspective on circus arts changed over the course of your career, and what does this profession mean to you personally?
Coming from the canon of dance, which has very specific ideas of how a woman’s body has to be, it was freeing to become part of the circus world. It opened my mind: women can be big, women can be strong. It was more about what you can do, not about the shape of your body. Another special thing about the circus world is the craziness of artists, their creativity. We are constantly in relation with our fears, confronting fears through our circus discipline. Circus artists grow a deep relationship to body intelligence. I also appreciate the lifestyle — there are many nomads and travelers in the circus scene.
What changes or improvements would you like to see in the circus industry to improve the working conditions and visibility of artists?
I dream of a professional training space like La Central del Circ in Barcelona. Sometimes I go to Barcelona just to train. There are affordable facilities, technical support, places to work, for non/physical research and development, even a library. Training is the invisible thing we have to do to maintain our profession, we even pay for spaces to train. I am happy to do this because I like the development and the research, but it is an invisible cost that people don’t realize about our job. I wish for more possibilities to show performances and also more professional schools. And another problem specific to aerials is that we need high spaces. If you learn something at 8 meters somewhere else, but your training space only has 5 meters, you will never be able to repeat it. And it’s difficult to prepare for gigs where there will be more height, if your training space doesn’t have it.
How do you envision the future of circus and what role would you like to play in it?
For the future I see more connections. To meet, come together, bring community together, social network, más rico. Encounters, festivals, or jam sessions (like the ones organized by Maraña recently). People need to meet, play, create, improvise, mix, in a way that is not just training or rehearsal. We require unexpected encounters. I hope to have something like what was created by the Dance Network in Chile, Danza Sur, a series of encounters and meetups for people to learn from each other.

Tzina Trikka is a Greek circus artist and trainer who lives in Berlin and has in-depth knowledge of various dance styles, yoga, and aerial acrobatics.
When/where are your next gigs?
In the autumn and wintertime, I will be performing regularly at Madi dinnershow, while I will have some scattered magical shows with different collaborators as Organysmo by Led Pulse, Laser Animation by Sollinger and Siegfried & Joy.
What does the Berlin circus scene mean to you?
Berlin is a place that embraces different cultures, aesthetics, personalities, and needs. A big blender where past, present, and future are creating magic together but still keeping a distinctive flavor of each. Same for the circus scene. You can find futuristic, experimental, contemporary, classical, burlesque, and old-school circus shows. And this beautiful variety is bringing the feeling of freedom and belonging – beautiful aspects for artistic creation and expression.
What is it that you love most about your job as a circus performer, and what motivates you to work in the industry?
The charm of being a circus artist is, for me, the fact that for some minutes on stage you can create new universes that live in your imagination, where basic rules of this world don’t make sense-from laws of physics to social decency and human existence. By allowing yourself and the audience to immerse in this new reality, you create common experiences and massive existential empowerment – which is my personal motivation for keeping up working in this field.
What are the biggest challenges you face in your profession, and what support do you need to overcome them?
The big challenges you face while being a circus artist, condensed into 3 words, are time, space, and money. Time so you get creative ideas and their implementation plan. Space for building up and developing your artistic project. Money so you can have time, space, and a budget to give for materials, collaborators, marketing, and whatever your project’s production might need.

Kathrin Wagner ist leidenschaftliche Ringjongleurin, schreibt und performt eigene Texte in mehreren Sprachen und tourt die letzten Jahre mit ihrem Stück „I Was Told.“ quer durch Europa.
Wann und wo hast du deine nächsten Auftritte?
Im Moment befinde ich mich mehr im Proberaum, zwischen zwei verschiedenen Kreationsprozessen, die jeweils im März und im Mai 2026 Premiere feiern dürfen. Zum einen Gaze on Balance, eine neue Produktion der Kompanie Klub Girko, zum anderen für Belonging, meine eigene Kreation und Produktion – ein interdisziplinäres Outdoorstück aus Zeitgenössischem Zirkus und selbst geschriebenen Texten. Zudem spiele ich regelmäßig mein Stück „I Was Told.“, was im Frühjahr in Ravensburg am Bodensee zu sehen sein wird.
Hast du eine Botschaft, die du gern mitteilen möchtest?
Auf der Bühne geht es mir vor allem um eine ehrliche Verbindung zum Publikum, aus tiefstem Herzen. Raum für Verletzlichkeit und Menschlichkeit zu schaffen und so einen Kontrast zur aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklung zu schaffen ist mir ein Bedürfnis.
Was bedeutet die Berliner Zirkusszene für dich?
Die Berliner Szene ist der Grund, warum ich in diese Stadt gezogen bin. Ich genieße den Austausch, das Miteinander und die gegenseitige Unterstützung.
Was ist es, was du an deinem Beruf als Zirkusartist*in am meisten liebst, und was motiviert dich in der Branche zu arbeiten?
Am meisten liebe ich den Prozess des Entwickelns, von der ersten Idee bis zum Stück – und ich sage bewusst nicht das „fertige“ Stück, denn eine konstante Weiterentwicklung des Kreierten gehört auch dazu. Außerdem liebe ich es, das Publikum zu bewegen, zu bestärken und gemeinsam zu lachen. Diese Momente motivieren mich, auch in weniger schönen Momenten weiterzumachen.
Was sind die größten Herausforderungen, mit denen du in deinem Beruf konfrontiert bist, und welche Unterstützung brauchst du, um diese zu bewältigen?
Zu den größten Herausforderungen gehören für mich die Vielzahl an Tätigkeiten neben der eigentlichen Kunst, welche in sich schon Vollzeitjobs darstellen. Dinge wie Marketing, Netzwerkarbeit, Verkauf der Stücke etc. gehören in der deutschen Zirkuslandschaft oft zum Alltag, da die Sparte noch nicht die gleichwertige Anerkennung in Politik und Gesellschaft genießt wie in anderen Ländern. Diese Anerkennung geht einher mit Fördermöglichkeiten und Berufen, die im Theater beispielsweise schon existieren.
Wie hat sich deine Perspektive auf die Zirkuskunst im Laufe deiner Karriere verändert, und was bedeutet dieser Beruf für dich persönlich?
Ich denke, ich bin über die Jahre in den Beruf hineingewachsen, vom Traum auf der Bühne zu stehen als ich 17 war bis hin zur ersten Stückkreation, -produktion und Touring in Europa in Eigenregie. In den letzten zehn Jahren durfte ich Teil eines wertvollen Netzwerks werden, das es mir erlaubt mich weiterzuentwickeln. Seitdem ich mit meinem eigenen Stück auf der Bühne stehe, habe ich das Gefühl, meine Identität als Künstlerin gefunden zu haben und kann mir in absehbarer Zeit nicht vorstellen, etwas anderes zu machen. Jonglage begleitet und trägt mich seit meinem 13. Lebensjahr und bedeutet mir alles.
Welche Veränderungen oder Verbesserungen wünschst du dir für die Zirkusbranche, um die Arbeitsbedingungen und die Sichtbarkeit von Künstler*innen zu fördern?
Ich wünsche mir mehr Unterstützung aus der Kulturpolitik und ernsthafte Schritte hin zu einer Diversität im Publikum und auf der Bühne. Sichtbarkeit kann durch Festivals wie „Zeit für Zirkus“ gesteigert werden, aber auch durch eine Offenheit von Spielstätten dieser neuen, jungen Kunstform gegenüber. Zeitgenössischer Zirkus schafft es, neues Publikum anzuziehen und hat das Potenzial, Diversität zu fördern. Ich glaube fest daran, dass Repräsentation in der Kultur einen positiven Einfluss auf die gesellschaftliche Wahrnehmung und Einstellung haben kann, daher wünsche ich mir eine Unterstützung auf politischer Ebene und seitens Spielstätten. Rassismus, Sexismus und Ableismus könnten aktiv verringert werden, wenn es Mittel dafür gäbe.
Wie stellst du dir die Zukunft des Zirkus vor, und welche Rolle möchtest du dabei spielen?
Da ich aktiv an der Verbesserung von Sichtbarkeit und den Arbeitsbedingungen, vor allem im Hinblick auf Zugänglichkeit, mitwirken möchte, engagiere ich mich beim Bundesverband Zeitgenössischer Zirkus und scheue mich nicht davor, gesellschaftspolitischen Status Quo auf der Bühne zu thematisieren. Meine Rolle sehe ich darin, Menschen zu bestärken und zum Nachdenken anzuregen.











