
Das CIRCUS HUB Berlin / Forum Neuer Zirkus e.V. veröffentlicht Wahlprüfsteine zur Stärkung der Zirkusszene und des Kultur- und Arbeitsmarktes für Zirkus in Berlin
Fassung 1. Juni 2026 (redaktionelle Änderungen vorbehalten)
2023 wurde „Zirkus als eigenständige Form der Darstellenden Kunst“ in die Liste des deutschen immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Mit seinen interdisziplinären Formen und vielfältigsten Ausprägungen nutzt der Zirkus verschiedenste Bühnen und Räume und stellt eine weitere Form neben Theater und Tanz dar. Dennoch wird die Eigenständigkeit des Zirkus, insbesondere, was die Förderung der Szene und Kunstform angeht, noch nicht in der Praxis anerkannt.
Nach bereits über 100-jähriger Tradition des Zirkus in Berlin hat sich in den letzten Jahrzehnten eine lebendige Szene der zeitgenössischen Zirkuskunst gebildet. Mit dem Chamäleon Theater hat Berlin das einzige Theater Deutschlands, welches ausschließlich Zeitgenössischen Zirkus programmiert – mit Erfolg. Berlin war bisher auch Anziehungsort für internationale Zirkuskünstlerinnen und bietet zudem eine große Bandbreite an zirkuspädagogischen Angeboten.
Der Anteil selbständig tätiger Zirkusschaffender in Berlin liegt nach einer ersten Datenerhebung der Szene voraussichtlich zwischen 70 % und 85 %. Der hohen Selbstständigen-Quote steht eine minimale Institutionalisierung gegenüber. Auf Basis der erreichten Stichprobe einer Befragung im Projekt “Act One – Kultur- und Arbeitsmarkt für Zirkus in Berlin” und vergleichbarer Szenen ist von mehreren hundert bis über tausend aktiven Zirkusschaffenden in Berlin auszugehen – eine relevante Szene.
Die Berliner Zirkusszene trägt zu einer lebendigen und kulturell vielfältigen Stadt bei, durch Interdisziplinarität, Internationalität, niedrigschwelliger Zugänge und steigenden Publikumszahlen, z.B. beim Berlin Circus Festival.
Zirkuskunst in Berlin ist ausschließlich privatwirtschaftlich organisiert. Eine der größten Schwierigkeiten für Zirkusakteur*innen ist der Mangel an und die Bezahlbarkeit von Spielstätten und Produktionsorten. Produktionen müssen woanders erarbeitet und aufgeführt werden. Trotz der Solidarität innerhalb der Szene ist der Verbleib im Spannungsfeld zwischen Arbeitsmöglichkeiten und Lebenshaltungskosten nicht gesichert – prekäre Lebensrealitäten sind nachweislich verbreitet.
Das CIRCUS HUB Berlin fordert:
Anerkennung des Zirkus als eigenständige Sparte der darstellenden Künste und Bewegungskünste in Berlin
Die Stärkung der Zugänglichkeit für Zirkusakteur*innen zu Förderprogrammen durch Nennung und Sichtbarkeit des „Zirkus“ als eigene Sparte – zur Zielgruppenansprache und Entwicklung einer Förderkultur für den Zirkus.
Einführung eines eigenen Titels innerhalb der Maßnahmengruppe 02 „Zeitgenössischer Zirkus und Artistik“ im Einzelplan 08 des Berliner Haushaltsplans.
Eine verbindliche Förderquote von 5-10% der Mittel der freien darstellenden Künste für „Zeitgenössischer Zirkus und Artistik“.
Ein eigenständiges Produktionsförderprogramm und Residenzprogramm für den Zirkus, um künstlerisches Arbeiten zu ermöglichen und so auch nachhaltig Trainings- und Produktion-sorte sowie Veranstaltungsstätten für den Zirkus zu stärken.
Wie möchten Sie dafür sorgen, dass Zirkus als eigenständige Form der Darstellenden Kunst in Berlin sichtbar und gefördert wird?
Finanzierung einer Anlaufstelle für die Zirkusszene
Solide Finanzierung eines Zirkusbüros – als erste und einzige Anlaufstelle für die freiberufli-chen Akteur*innen der Zirkuskünste und der Zirkuspädagogik in Berlin.
Wie sehen Sie eine Finanzierung einer strukturell-wirkenden Anlaufstelle für die professi-onelle Zirkus-Szene in Berlin?
Stärkung der diversen und internationalen freien Szene durch Öffnung von Räumen für die Produktion und Aufführung von Zirkuskunst
Berücksichtigung der Zirkusakteur*innen und Institutionen bei der Vergabe von landesei-genen Immobilien und Flächen, welche für Zirkus geeignet sind oder nutzbar gemacht werden können.
Was planen Sie und Ihre Partei, damit Zirkusakteur*innen Berlin nicht verlassen müssen, weil der Markt durch fehlende Räume und Spielstätten für Zirkus stark begrenzt ist?
Sicherung der Kulturellen Bildung
Berlin hat den größten Anteil an Kinder- und Jugendzirkussen in ganz Deutschland und bietet niedrigschwelligen Zugang zu Möglichkeiten der dezentralen, kulturellen Bildung.
Wir empfehlen eine langfristig gesicherte Finanzierung von Angeboten im Bereich Kinder- und Jugendzirkus, um Planungssicherheit der Standorte der kulturellen Zirkusbildung und deren Angebote zu gewährleisten sowie Scheinselbständigkeit dank geeigneter Personalfinanzierung vorzubeugen.
Wie stellen Sie sicher, dass Kinder- und Jugendzirkusse über ausreichend personelle Ressourcen verfügen, um zuverlässig die notwendigen Angebote in der kulturellen Bildung – die Verbindung von Pädagogik und Zirkuskunst aufrecht zu erhalten?
Ein Kulturfördergesetz für Berlin
Wir schließen uns den Forderungen der Berliner Kulturkonferenz zudem an und begrüßen ein zukünftiges Kulturfördergesetz für Berlin, in dem der Zirkus berücksichtigt wird!
Wie sehen Sie die Forderung nach einem Berliner Kulturfördergesetz und die dauerhafte Absicherung der Kultur durch 3% des Berliner Landeshaushalts?
Wir sind neugierig Ihre Antworten zu lesen.
E-Mail: pr@forum-neuer-zirkus.de
Web: forum-neuer-zirkus.de
Instagram: @circus_hub_berlin
* Im Rahmen des Projekts „Act One – Kultur- und Arbeitsmarkt für Zirkus in Berlin“ wurden erstmals Recherchen und Forschungen zur Zirkus-Szene in Berlin durchgeführt. Informationen und Ergebnisse werden auf der Webseite forum-neuer-zirkus.de und abschließend in einer Publikation veröffentlicht.
Das Projekt „Act One“ wurde finanziert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie durch das Land Berlin – Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt
